Allgemeine Bemerkungen zu schriftlichen Prüfungen

Sinnvolle Prüfungen erfüllen folgende Funktionen:
  1. Aus der Sicht der Kandidaten: Prüfungen sind ein Anreiz für sinnvolles und nachhaltiges Lernen.
  2. Aus der Sicht der Gesellschaft: Ein Zeugnis über eine Prüfung bezeugt eine gewisse Qualifikation, und das ohne zeitliche Begrenzung.
  3. Aus der Sicht der Lehrenden (von nachgeordneter Wichtigkeit, aber dennoch erwähnenswert): Die Prüfung ist eine wertvolle Information über die Früchte des Unterrichts.
Jeder Prüfer mit langjähriger Erfahrung und intaktem Reflexionsvermögen kann bestätigen, wie schwierig es vor allem bei schriftlichen Prüfungen ist, die oben genannten Kriterien sicherzustellen. Hauptprobleme sind (neben der Vermeidung von Schwindeleien), dass auswendig gelernte Merksätze (bei theoretischem Stoff) und gedrillte Rezepte (bei Rechenaufgaben) oft verständnislos wiedergegeben bzw. exekutiert werden. Wenn das allein schon ein Bestehen der Prüfung ermöglicht, sind alle drei oben genannten Kriterien verfehlt. Noch schlimmer wird die Sache freilich, wenn sich Schikanen zu Ungunsten der Kandidaten entwickeln. Wer den Stoff in seinen wesentlichen Zügen versteht, soll nicht im Stress der Prüfungssituation Gefahr laufen zu scheitern, nur weil etwa in komplizierten Rechenaufgaben Flüchtigkeitsfehler unterlaufen, die zu zeitraubenden Irrwegen führen.

Nimmt man seine Aufgabe als Prüfer ernst, so hat man diesen Gefahren gegenzusteuern. Ein beträchtlicher Aufwand an Zeit wie auch an inhaltlichen Überlegungen beim Zusammenstellen der Prüfungsfragen scheint mir dabei unvermeidlich. Ich halte folgende Methoden für zielführend:

Abschließend noch ein paar Bemerkungen zur Benotung. Wenn nicht anders angegeben, werden alle Teilfragen in einer Prüfung mit jeweils einem Punkt gleich gewichtet. Die kleinste Einheit für teilweise richtige Antworten ist ein viertel Punkt. Eine positive Note ist ab der Hälfte der Punkte garantiert, die besseren Noten ergeben sich durch gleichmäßige Aufteilung des darüber liegenden Bereichs also: Genügend ab 50%, Befriedigend ab 62,5%, Gut ab 75%, Sehr Gut ab 87,5%. Wenn es mir sinnvoll erscheint (z.B. bei etwas schwierigeren Prüfungsfragen, weil das Prüfungsergebnis eine leicht verschobene Grenzziehung nahelegt oder bei der allerersten Prüfung, um den Nachteil des möglicherweise Ungewohnten auszugleichen) weiche ich von diesem Schema ab, nur jedoch zugunsten der Prüflinge.

Für Rückmeldungen bin ich sehr dankbar. Insbesondere wenn Sie meinen, dass ich bei gewissen Prüfungen gewisse der von mir formulierten Ziele und Anliegen verfehle, lassen Sie es mich bitte wissen.


Zurück zu meiner Homepage.

Zuletzt geändert am 24.1.2018